Interview mit Frederic Fuchs, TAM Akademie

Es kommt darauf an, wie man es umsetzt

Über das Leben mit New Work

 

Frederic von der TAM Akademie und Jonas von der Startup Alm haben sich auf einen Kaffee in der Sonne getroffen, um über die Chancen in der neuen Arbeitswelt zu sprechen, zu verstehen, wie sich die TAM diesem Thema nähert und warum es für Frederic schwer vorstellbar ist, in einem großen Konzern zu arbeiten.

Flexible Rollen statt starren Positionsbeschreibungen, das Übertragen von Verantwortung an die Mitarbeiter*innen und der ständige Balanceakt zwischen Freiheit und geregelten Rahmenbedingungen: all das sind Maßnahmen und Faktoren, die für Frederic ausschlaggebend für eine geglückte Expedition in die Welt des „New Works“ sind. Lest hier das gesamte Interview.


Jonas: Vielen Dank für deine Zeit Frederic. Starten wir gleich mit der ersten Frage. Was sind 3 leicht umzusetzende Maßnahmen, die ein Unternehmen angehen kann, um das gesamte Team für die Reise in die neue Arbeitswelt zu motivieren?

Frederic: Eine zentrale Maßnahme für uns war die Einführung von Rollen. Anstelle von starren Positionsbeschreibungen leben wir bei uns ein dynamisches Rollenverständnis. Rollen haben dabei unterschiedliche Komplexitätsgrade: Das kann etwas Banales sein, wie etwa die Rollen des Pflanzenverantwortlichen. Es geht aber auch bis hin zu multidimensionaleren Rollen, wie etwa Sales oder Personal. Die Person sollte die Möglichkeit bekommen, sich die Rolle selbst auszusuchen, auszubauen und auch weiterzuentwickeln. Ich glaube, das Verteilen von Rollen schafft Verantwortung und Verantwortung schafft Impact. Das bedeutet, dass Mitarbeiter*innen spüren, dass ihr Tun und ihre Entscheidungen einen direkten Einfluss haben. Sie sind nicht ein kleines Rädchen von vielen, sondern ihr Handeln hat konkrete Auswirkungen. Das muss natürlich auch ein Umdenken der Führungskräfte mit sich bringen. Diese müssen erkennen, dass die Verantwortung bei der Person liegt, die die Rolle innehat und es kein „Dazwischenfunken“ vom Chef geben darf.

Jonas: Waren alle, die zu euch dazugekommen sind, mit dem Thema der Rollen vertraut?

Frederic: Nein, überhaupt nicht.

Jonas: Und wie habt ihr den Leuten erklärt, dass es hier keine Positionen, sondern Rollen gibt?

© TAM Akademie, Frederic Fuchs

Frederic: Das haben wir bereits in den Bewerbungsgesprächen gemacht. Wir leben bei uns die Philosophie, dass man die Personen dort einsetzt, wo auch ihre Stärken liegen. Ganz im Sinne von: Stärken stärken. Für uns ist das nicht nur ein Spruch, sondern tief in unserer Unternehmenskultur verankert. Unser Rollenverständnis visualisieren wir auf unserem Rollenboard. Dort stehen alle Rollen, die es in unserem Unternehmen gibt. Das verändert sich natürlich laufend, da neue Rollen dazukommen, bestehende sich verändern oder manchmal sogar obsolet werden. Mit dieser Übersicht ist es für uns auch erkennbar, ob es Vakanzen gibt. Zum Beispiel lag die Buchhaltung anfangs bei mir. Neben den anderen Tätigkeiten und Aufgaben hatte ich kaum Zeit und Energie, den notwendigen Fokus darauf zu setzen. Wir haben dann beschlossen, eine Person zu uns ins Team zu holen, die mir diese Rolle abnehmen kann. In einer offiziellen Übergabe konnte ich dann meine Rolle der Buchhaltung der neuen Mitarbeiterin übergeben.

Jonas: Gibt es dafür ein Ritual?

Frederic: Ja, wie gesagt, es gibt Rollenübergaben, aber keine klischeehaften. Am genannten Beispiel bedeutete es, dass ich 2 Stunden mit der neuen Mitarbeiterin zusammensaß und ihr alles so erklärt habe, dass sie diese Rolle verantwortungsbewusst übernehmen kann. Das heißt aber auch, dass sie ab jetzt auch dafür verantwortlich ist, die Rolle weiter zu entwickeln. Wenn sie Optimierungspotentiale erkennt oder neue Prozesse einführen möchte, ist sie jetzt auch in der Verantwortung, diese voranzutreiben und sie in Abstimmung mit den involvierten Ansprechpartner*innen umzusetzen. Dadurch entsteht ein großes Verantwortungsbewusstsein und natürlich auch eine große Motivation.

Jonas: Die erste Maßnahme also, die du nennst, ist das Einführen von Rollen. Was wären die zwei weiteren Aspekte, die du anführen möchtest?

Frederic: Ein weiterer wesentlicher Motivationsfaktor ist das flexible Arbeiten. Bei uns können alle kommen und gehen wann sie wollen. Wir haben unbegrenzte Urlaubstage und diese können jederzeit konsumiert werden. Aber auch diese lose Struktur braucht klare Regeln. Bei uns bedeutet das zum Beispiel, dass wir eine klare Meetingstruktur mit Dailys, Weeklys und Quarterlys haben. Und der dritte Motivationsfaktor, der sich an die Meetingstruktur anlehnt, ist, dass wir mit OKRs arbeiten. Aber nicht ganz so stringent, wie man es von OKRs kennt, sondern wir haben hier unsere eigene Version abgeleitet. Bei uns nennen wir diese Ziele Rocks und diese werden quartalsweise definiert

Jonas: Was ist deiner Meinung nach für Teams in Bezug auf die New Work Arbeitsumfeld wichtig?

Frederic: Die Antwort auf diese Frage möchte ich mit einem Zitat beginnen: Wenn du erwachsene Menschen wie Erwachsene behandelst, dann verhalten sie sich wie Erwachsene. Beispielsweise wäre es für mich persönlich besonders demotivierend, wenn mir jemand sagt, wann ich kommen muss und wann ich gehen darf. Darin sehe ich einen absoluten Motivationskiller. Ich finde es ist wichtig, gewisse Anwesenheitszeiten zu definieren. In unserem Daily sind immer alle anwesend. Aber nicht aus einer Pflicht heraus, sondern weil sie verstanden haben, wie wichtig dies für die Zusammenarbeit ist. Das ist ausschlaggebender Aspekt. Ich glaube es ist wesentlich für ein New Work Arbeitsumfeld, Menschen zu signalisieren, dass sie gehen können, wann sie wollen. Das gibt den Menschen auch Selbstbestimmtheit und wir sagen bei uns immer wieder: gib den Menschen Freiheit.

Jonas: Was ist dein eigenes Lieblings-Ritual im Alltag der Zusammenarbeit?

Frederic: Fast schon ein Klassiker: das sind flexible Arbeitsplätze. Soll heißen, dass man dort arbeiten kann, wo man will. Von zuhause, vom Büro, von wo auch immer. Man gibt den Leuten mehrere Optionen. Was nicht heißt, dass es keine Regeln geben darf. Bei uns im Büro gibt es auch einen „Silent Room“ und da sollte auch nicht geredet werden. Ein weiteres Lieblingsritual ist das Setzen von Rocks. Auch hier steckt wieder dieses Freiheitsprinzip dahinter. Flexibles Arbeiten, wann und wo ich will und das Setzen von eigenen Zielen. Und das ist nicht neu, Managing by Objectives ist ein Modell aus den 70er / 80er.

Jonas: Es kommt halt darauf an, wie du es interpretierst.

Frederic: Oder wie du es umsetzt.

Jonas: Stimmt, lieber Frederic. Danke dir für das Gespräch!

 

WEITERE INFORMATIONEN ZUR TAM AKADEMIE
https://trainer-akademie.de/
Frederic Fuchs, Managing Partner

Der Berg ruft! Der New Work Lounge Podcast

Die Expedition zu einem echten WIR 

Was passiert, wenn sich Personen treffen, die alle für den Traum von einer Welt einstehen, in der die Arbeit die Menschen nicht mehr ausbeutet und krank macht, sondern man daran wieder Freude, Spaß und Sinn findet?

Richtig, es entstehen tolle Gespräche, ein interessanter Gedankenaustausch, ein ehrliches Teilen von Erfahrungen, viel Lachen und großartige Energien für die nächsten Schritte. So war es auch bei uns, als Kim, Rüdiger und Kris von unserem Startup Alm Team die bezaubernde Anna Sophie vom New Work Lounge Podcast getroffen haben.

Anna Sophie hat uns für eine Folge ihres erfolgreich laufenden Podcasts interviewt. Gemeinsam unterhielten wir uns über die zukünftige Arbeitswelt, über Entwicklungen in der Teamführung, über die Expedition mit großen und kleinen Teams in Richtung New Work sowie über die Gemeinsamkeiten von Startups, Großfirmen und Musikbands. Für Kim ist ganz klar:

„Jeder im Team soll seine Stärken einbringen können. Das macht beispielsweise unser Team so divers, aber auch so stark. Man sollte sich dafür die Zeit geben, um zu erkennen, welche Stärken sind in meinem Team vorhanden.“

Rüde plaudert aus seiner Vergangenheit bei den Sportfreunden Stiller und ließ tief in sein Musikerherz blicken:

„Nicht nur in der Musik ist es so wichtig, sich zuzuhören. Wenn man lange miteinander gehen will, muss man sich noch besser verständigen und sich mit Worten zurechtzufinden. Im Arbeitsumfeld fehlt oft die Möglichkeit und die Zeit, sich zuzuhören. Dabei ist das die Basis.“

Diese sogenannten „Tourbusmomente“, wie Kim sie auch nennt, erfahren unsere Kund*innen auf den Offsites. Hier erzählt Kim von jenen, die regelmäßig die Startup Alm Locations aufsuchen, einfach mal rausfahren und abschalten, um sich auf das zu konzentrieren, was für das Team gerade wichtig ist. Rüdiger schwärmt:

„Es ist Wahnsinn, wenn man einfach nur von Stille umgeben ist, kein Lärm, kein Sound, nichts. Und dann kommen die Leute in den großen Raum, der hunderte Jahre alt ist. Die meisten werden dadurch schon total geöffnet.“

Dass Berghütten auch für die Sportfreunde Stiller immer wieder Plätze waren, wo neue Musik entstehen konnte, fügt er mit einem Lächeln hinzu.

Wie macht man das Leben von Menschen besser?
Wie bringt man Menschen voran?
Wie kann man wieder lernen zu gestalten?
Und wie bringt Rüdiger unsere Kim so laut zum Lachen?
All das zum Nachhören in dem folgenden Podcast – pack ma’s!

Informationen zum Podcast:
Anna-Sophie Langkammer
anna-sophie.langkammer@newworklounge.de

Interview mit Sabine Sauber, Head of Marketing bei Design Offices

Wir haben mit Sabine Sauber, Head of Marketing bei Design Offices, einem der größten Anbieter für flexible Arbeitsräume und Corporate Coworking in Deutschland, über New Work im Arbeitsalltag und New Leadership gesprochen.

Kim: Was sind 3 Maßnahmen, die ein Unternehmen bei der Neugestaltung der Workspaces beachten sollte?

Sabine: Das Wichtigste ist, die richtigen Fragen an die Mitarbeiter*innen zu stellen, z.B. was sie wirklich jeden Tag zu tun haben und diese Erkenntnisse dann auszuwerten. Mit welcher Art von Aufgaben beschäftigt sich der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin jeden Tag und welcher Anteil ist von der Zusammenarbeit mit anderen Mitarbeiter*innen oder von der fokussierten Arbeit geprägt? Es geht also zunächst darum, den Bedarf an die Arbeitsumgebung zu analysieren.
Danach geht es im zweiten Schritt ans Ausprobieren und Testen der neuen Workspaces: Das bedeutet, sich im Team zusammenzusetzen, im Kleinen schon einmal auszuprobieren, wie sich das anfühlt, wenn nicht mehr jeder in seinem bekannten Büro sitzt, sondern in einer neuen Arbeitsumgebung. Der dritte Schritt besteht dann darin, die neue Arbeitsumgebung auf der Fläche umzusetzen.
Meiner Erfahrung nach haben viele Angst, ihren eigenen Schreibtisch und ihr Büro herzugeben. Dahinter stecken jedoch die verschiedensten Bedürfnisse, die man auch anders in der neuen Arbeitsumgebung abbilden kann. Das heißt aber nicht, dass das klassische Büro per se schlecht ist. Es bedeutet nur, dass es nur für bestimmte Tätigkeitsprofile geeignet ist, die beispielsweise konstant sehr fokussiert arbeiten. Der Großteil jedoch verbringt seine Arbeit im Austausch mit anderen und hierzu lohnt es sich, geeignete Zonen zu schaffen, die das ermöglichen.

©Design Offices

Kim: Was ist insbesondere für Teams wichtig in einer modernen Arbeitsumgebung?

Sabine: Für Teams ist wichtig, die Dinge, die zusammen erarbeitet werden, gut sichtbar zu machen. Das bedeutet, dass dem Team Räume für die Kollaboration zur Verfügung stehen, mit ausreichend Wänden und Fläche, um interaktiv zu arbeiten.
Wir haben heute Vielzahl an digitalen Tools für To Dos, um Backlogs aufzuschreiben und nutzen Workflows, um uns zu optimieren. Dennoch ist es hilfreich, Wände zu benutzen, Arbeitsergebnisse aufzuhängen, Ideen hinzumalen und zu sammeln. Genau hierfür benötige ich den kreativen Raum, denn Ideen an der Wand haben eine andere Bedeutung, sie werden non-digital an der Wand anders wahrgenommen. Zudem ist es wichtig, weitere Raumsituationen zu schaffen und die Büroumgebung als lebendiges Thema zu sehen, denn die Anforderungen werden sich immer ändern. Wir sind mit unserem Team gerade in neue Räume gezogen und haben die Arbeitsumgebung bereits nach kürzester Zeit nochmal verändert. Wir hatten die Fläche ohne Wände besichtigt und dann gemeinsam entschieden, dass wir mit dem ganzen Team lieber auf engerem Raum alle beieinander sitzen möchten. Dafür wollten wir eine eigene Lounge für uns haben, wo man sich zu zweit auf eine Sofaecke bei einem Kaffee setzen kann, um über wichtige Dinge zu sprechen. Zudem haben wir ein Treppenpodest aus Holz für Teammeetings gewählt sowie einen Raum mit Hochtisch für Arbeitsmeetings und zwei Fokusräume für Telefonkonferenzen und kleine Meetings. Natürlich haben wir den Zugang zu einer Küche und können die allgemeinen Flächen, Lounges und Terrassen im gesamten Standort nutzen. Teams sollten bei der Zusammenarbeit räumlich unterstützt werden, je nachdem, ob Meetings eher im Sitzen oder im Stehen durchgeführt werden, ob die Meetingdauer lang oder kurz ist, bzw. auch in welcher Stimmung diese abgehalten werden sollen. Die Bedürfnisse hängen zum Teil auch vom Thema ab, sind als von Team zu Team auch anders.

©Design Offices

Kim: Was sind deine zwei Lieblings-New-Work-bezogenen Praktiken intern bei Design Offices?

Sabine: Nun die Frage ist, was heißt New Work? Ich mag einfach gern den Austausch mit Menschen. Im Team zu arbeiten, das ist nicht unbedingt neu, doch gibt es heute eine Vielzahl an neuen Arbeitsmethoden. Der Meet & Move Room bei Design Offices ist dafür sehr gut geeignet und es macht Spaß da zu arbeiten.Wenn man im Stehen mit beschreibbaren Wänden agil zusammenarbeitet, sind auch die Ergebnisse deutlich besser.

Kim: Was bedeutet New Leadership für dich?

Sabine: Als Führungskraft ist für mich das Thema New Leadership sehr interessant und ich beschäftige mich viel damit. Die moderne Führungskraft ist heute viel mehr Moderator*in als ein Befehlsgeber. Man muss unbedingt die Unterschiede der einzelnen Teammember berücksichtigen und sie als Stärke sehen. Ich habe ein heterogenes Team mit einer diversen Altersstruktur, mit unterschiedlichen Haltungen, Mindsets und Skills. Viele Teamkolleg*innen möchten maximal selbstbestimmt arbeiten, Dinge selber entscheiden. Umgekehrt besteht aber auch viel Unsicherheit, wie weit Selbstbestimmung reicht. Gemeinsame Spielregeln und Guidelines sind notwendig und die Definition klarer Ziele. Selbstbestimmung bedeutet nicht, dass jeder sofort das gleiche Verständnis von Aufgaben, von der Zusammenarbeit und von Zielen hat. Dieses Verständnis muss die Führungskraft vorgeben und mit dem Team gemeinsam weiter definieren. Das kann auch erst einmal extra Aufwand bedeuten, der sich aber lohnen wird. Für eine selbstbestimmte Arbeitsweise im Team braucht es viel Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Da ich viel unterwegs bin, nutze ich die Zeit im Büro hauptsächlich für den Austausch mit dem Team. Als Team sind wir hier noch auf dem Weg und tasten uns an die für uns perfekte Form der Zusammenarbeit heran. Wir werden weiter daran arbeiten, als Team zusammen zu wachsen und dafür zu sorgen, dass eines nicht auf der Strecke bleibt: Spaß, Begeisterung und ein gemeinsam erreichtes Ziel.

Kim: Vielen Dank für das Gespräch!

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Sabine Sauber
Unternehmenssprecherin, Head of Marketing
+49 (0)89 2620360-71
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