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Die Bedeutung von New Work – Interview mit Jasmine Werner

Neulich war Jonas, einer unserer Co-Founder wieder unterwegs und hatte ein Treffen mit Jasmine Werner, Co-Founder des „happy works. Podcasts“ und Expertin für New Work und New Work Space. Gemeinsam haben die beiden sich über Jasmines Weg zur Expertin für New Work unterhalten, aber auch darüber, wie vielseitig der Begriff «New Work» ist und auch verstanden wird. Jasmine hat Jonas aber auch verraten, was die besten Hacks sind, die man als Einzelperson oder im Team umsetzen kann, um New Work auch zu leben. Lest hier das gesamte Interview.

Jonas
Wir sitzen jetzt hier an diesem Donnerstagmorgen mit Jasmine Werner, der Gründerin des happy works. Podcasts. New Work hat sich mittlerweile zu einem Megatrend entwickelt und ist in aller Munde. Was man merkt ist, dass sich sehr viele Leute damit beschäftigen, es in den Unternehmen aber noch nicht verankert ist. Du hast diesen Trend schon sehr früh begleitet. Deshalb würde ich auch gerne wissen, wie sich dein Werdegang gestaltet hat und welche Erfahrungen du schon in dem Bereich machen konntest?

Jasmine
Seit circa 2 Jahren beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Thema «Arbeitswelten im Wandel». Das war auch das Thema meines ersten Podcasts «Workaround». Hierfür habe ich 40 Folgen aufgenommen und mich mit Fragen rund um das Thema der neuen Arbeitswelt beschäftigt. Wie funktioniert die Zusammenarbeit in einer kollaborativen & vernetzten Welt? Wie schaffen es einige Unternehmen, ihren Chef selber zu wählen? Warum ist das überhaupt nötig? Wie verändert sich Führung, Stichwort «New Leadership»? Wie wird die Jobsuche in der Zukunft funktionieren?
Schwerpunkte waren also Technologien, Kulturwandel, aber auch der Mensch, der immer im Mittelpunkt des Ganzen steht. Aktuell moderiere ich gemeinsam mit Eva Resch den happy works Podcast: Wann ist Arbeit „gute Arbeit“, die glücklich macht. Hier wollen wir das Individuum mehr in den Fokus rücken und besprechen Themen wie Erfolg und Happiness am Arbeitsplatz.

Jonas
Weshalb hast du dich für dieses Thema so sehr begeistert? Gab es eine besondere Motivation?

© Startup Alm

Jasmine Die Themen «Wie arbeiten wir?» und vor allem «Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?» hat mich schon immer beschäftigt.
Als ich dann bei Axel Springer angefangen habe, wo wir rund um Digitalisierungsthemen beraten haben, wurde mir bewusst, dass die Personalabteilung in Unternehmen die Chance hat, eine ganz neue Rolle einzunehmen. Sie sitzt mittlerweile sogar mit am Tisch, wenn es um strategische Entscheidungen der Unternehmen geht.
Dadurch habe ich festgestellt, dass das ein sehr spannendes Thema ist und ich mich mit diesem gerne intensiver auseinandersetzten möchte. Das war dann der Start für den Workaround Podcast, in dem ich Interviews mit HR Executives, Start-Up Gründern, etc. geführt habe.
Der Begriff New Work kommt ursprünglich aus den 70er Jahren und wurde von dem Sozialphilosophen Frithjof Bergmann geprägt. In dem Autokonzern, in dem er arbeitete, wurde festgestellt, dass man 50% der Leute entlassen müsste. Als Konsequenz hatte er dann vorgeschlagen einen horizontalen Schnitt zu machen. Was bedeutet das? Die Leute sollen nur noch die Hälfte der Zeit arbeiten und die andere Hälfte sollen sie sich überlegen, was sie wirklich wollen. Im Zentrum seiner Philosophie stehen die Werte der Freiheit, Selbstständigkeit und Teilhabe an der Gesellschaft. Das ist das ursprüngliche Konzept und auch das was man unter New Work versteht. Was man auch immer mehr und verstärkt beobachten kann ist, dass der Fokus wieder auf Sinnsuche und bestimmte Werte wie Empathie & Nachhaltigkeit gelegt wird. Oder dass sich die Menschen, aber auch Firmen damit auseinandersetzen, was uns bei der Arbeit eigentlich wirklich glücklich macht.

Jonas
Was ist deiner Meinung nach der Grund, weshalb der Begriff «New Work» jetzt so einen Aufschwung erlebt, obwohl er eigentlich schon so alt ist?

Jasmine
Vor 40/50 Jahren war der Begriff New Work bereits präsent. Hier wird der Unterscheid zwischen alter und neuer Arbeit deutlich. Alte Arbeit ist die, die krank macht, wenn wir daran denken wie viele Burnout Patienten es heute gibt oder wenn wir uns Fehlzeitenstatistiken anschauen würden. Der Gallup Engagement Index 2019 besagt, dass fast sechs Millionen Arbeitnehmer in Deutschland innerlich gekündigt haben und die meisten Arbeitnehmer (25 Mio.) verrichteten nur noch Dienst nach Vorschrift. Dagegen muss doch etwas getan werden. Daher ist es logisch, dass auch etwas an der Arbeit und dem Arbeitsumfeld geändert werden muss. Neue Arbeit ist die, die uns stark machen kann. Wir arbeiten als Menschen viel zu gerne, um das aufzugeben.

Jonas
Deine Interviewgäste beim Podcast sind auch in diesem Themenkreis tätig und erzählen viel von ihren Erfahrungen. Daraus entwickelt sich dann wahrscheinlich auch eine neuere Definition von New Work, die sich zu der Definition von Frithjof Bergmann unterscheidet. Gibt es für dich eine Art von Definition, die sich herauskristallisiert? Im Sinne von «Was ist New Work im 21. Jahrhundert»?

Jasmine
Absolut, der Begriff wird heutzutage sehr inflationär verwendet. Eigentlich ist es ein Sammelbegriff, unter dem jede/r etwas anderes versteht.
Zusammenfassend ist New Work alles, was mit Transformation der Arbeitswelt zu tun hat. Einfach mal alles in Frage stellen und neu denken. Im Prinzip ist es für mich ein Gegenentwurf zu einer Arbeitswelt, die durch streng hierarchische Strukturen und Kontrolle geprägt ist. Mit dem Fokus, dass die MitarbeiterInnen und Menschen im Zentrum stehen und deren Stärken gefördert werden, sodass sie ihr volles Potenzial entfalten können. Für mich bedeutet es auch, dass jeder seine Stärken einbringen kann und nicht in ein starres Arbeitskorsett gepresst wird. Zum Beispiel mit flexiblen Arbeitsmodellen und neuen Arbeitsmethoden. Fakt ist nämlich, dass jeder anders arbeitet und jeder auf seinem eigenen Weg zu den besten Arbeitsergebnissen kommt.
Eigentlich ist New Work gar nicht der richtige Begriff. Denn was heute neu ist, ist morgen schon wieder alt. Meiner Meinung nach wäre «Best Work» ein zutreffenderer Begriff. Dabei liegt es in der Verantwortung des Unternehmens dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin Rahmenbedingungen zu bieten, dass er/sie die beste Arbeit leisten und so effizient wie möglich arbeiten kann. Gleichzeitig aber auch dazu motiviert wird, sein volles Potential auszuschöpfen. Das ist die Definition, die mir ganz gut gefällt, weil es außerdem für beide Seiten einen Vorteil bringt.

Jonas
Das ist ein sehr spannender Gedanke: Neue Arbeit ist vergänglich, da das Neue bald wieder alt ist. Auch der Gedanke, dass es von Vorteil für beide Seiten ist gefällt mir gut, denn natürlich macht ein Unternehmen das nicht nur, weil sie es für den Menschen wollen, sondern auch, weil es sich wirtschaftlich rentiert.

Jasmine
Genau, und der Wert der Arbeit muss ebenso neu definiert werden. Man kann sich z.B. fragen, ob freiwillige Arbeit auch unter den Arbeitsbegriff fällt oder zählt es zu den Dingen, die man zusätzlich macht. Darüber hinaus könnte ich mir vorstellen, dass in Zukunft 3 Stunden Arbeitstage die Regel werden. Ähnliche Modelle gibt es auch heute schon. Heutzutage definieren wir uns zu sehr über die Arbeit. Wenn man sich anderen Menschen vorstellt, betont man sofort, was man beruflich macht und in welcher Position man arbeitet. Vielleicht ist das gar nicht nötig, weil uns ja so viel mehr ausmacht? Ebenso sollte man sich fragen, ob derjenige, der als erstes im Büro ist und als letzter geht, wirklich derjenige ist der am härtesten und produktivsten arbeitet (z.B. weil man sich nicht traut vor dem Chef das Büro zu verlassen). Denn das macht oft keinen Sinn, denn das schwächt uns Menschen eher. Die Lösung ist es sich weg von einer Präsenzkultur hin zu einer Ergebniskultur zu entwickeln.

Jonas
Interessieren würde mich auch ob es bei deinen InterviewpartnerInnen Themen gibt, wo du sagst, das ist nicht New Work und da müsste man genau andersherum draufschauen. Bzw. gibt es für dich einen Aspekt in welchem der Begriff New Work benutzt wird, obwohl es eigentlich nicht New Work ist?

Jasmine
Natürlich bleibt Arbeit am Ende immer Arbeit. Es ist nicht der Fall, das jetzt alles viel entspannter wird. Wenn die alte Denke (z.B. Kontrolle und Präsenzpflicht) vorherrschend bleibt – nur eben garniert mit moderneren und coolen Buzzwords ist das nicht New Work.
Viele Arbeitgeber missbrauchen New Work als Label, um als attraktiver zu wirken. Es reicht nicht ein schickes Büro mit schicken Designermöbeln zu haben oder Snacks anzubieten und Sneaker zu tragen. Oft wird nur erklärt, was man im Unternehmen ändern möchte. Was häufig viel zu kurz kommt, ist das „Warum“ und das “Wie” – obwohl gerade dieses „Wie“ der entscheidende Erfolgsfaktor ist.

Ich glaube, dass das eindeutig die Aufgabe der Führungskräfte ist. Sie müssen es selbst vorleben. Denn wenn sich ein Unternehmen verändern möchte, dann reicht es nicht, den Mitarbeitern einfach nur einige neue Hilfsmittel in die Hand zu drücken und dann zu erwarten, dass sich damit alles grundlegend ändern lässt.

Stattdessen sollten Unternehmen viel mehr darauf achten, dass sich nicht nur die Werkzeuge der Mitarbeiter ändern, sondern vor allem auch deren Verhalten und Einstellung. Sie müssen das Mindset ihrer Angestellten in den Fokus rücken, wenn sie einen ernsthaften und sinnvollen Wandel in ihrem Haus erreichen möchten.

© https://medium.com/@joanabp/

Ein spannendes Buch hierzu ist: New Work needs Inner Work, wobei es um die „innere Transformation“ von Teams geht. Darunter versteht man die Art und Weise, wie MitarbeiterInnen und Teams reifen und wachsen können, so dass sie ihre komplexe, flexible Außenwelt kompetenter, sicherer und glücklicher gestalten können.

Jonas
Was sind aus deiner Erfahrung drei leicht umzusetzende Maßnahmen, die man angehen kann, um ein Team oder Unternehmen für die Reise zur neuen Arbeitswelt zu motivieren?

Jasmine
Das finde ich tatsächlich eine schwierige Frage. Da es nichts ist was man von heute auf morgen mal eben schnell nebenbei umsetzt. Es handelt sich dabei um einen langen Prozess des Umdenkens und Reflektierens.
Es gibt auch keine Allround-Folie, die sich über jedes Unternehmen stülpen lässt oder auf jedes Team übertragbar ist; dazu sind die jeweiligen Anforderungen viel zu unterschiedlich. Der 1. Schritt ist, es sich bewusst zu machen, dass man etwas verändern muss. Man überlegt sich, wo stehen wir heute, wo wollen wir hin und wie kommen wir dahin. Bei Axel Springer haben wir gerade die Herausforderung eines neuen hochmodernen Bürogebäudes mit einem neuem Arbeitsplatzkonzept, welches wir ab 2020 nutzen werden. Dafür ist eine Maßnahme verschiedene Dinge jetzt schon zu testen. Das heißt, wir überlegen uns, wie das neue Arbeitsplatzkonzept sein wird und was schon vorbereitet werden kann bzw. was man auch jetzt schon einführen kann. Deshalb wird jetzt schon darauf geachtet, dass man mindestens einen Tag pro Woche mobil arbeitet. Wir müssen also jetzt schon darauf achten, wie wir diesen neuen Umständen begegnen können. Wie sprechen wir uns untereinander im Team ab? Welche Regeln müssen aufgestellt werden? Denn je freier es wird, desto mehr Regeln muss man aufstellen, damit es nicht in Chaos ausartet.
Eine andere tolle Maßnahme sind OKRs (Objective Key Results). Im Team arbeiten wir mit OKRs. Persönlich finde ich das ein super Management Tool von Zielen, die sich die Teams dann auch selbst setzen können. Man überlegt sich selber, was man ich in den nächsten 3 Monaten erreichen möchte Das ist dann ein eher hochgesetztes Ziel. Das kann sehr motivierend sein.
Eine letzte Maßnahme, die sich recht leicht umsetzen lässt, ist die Veränderung der Meeting Kultur. Jeder war schon einmal in einem Meeting, wo eigentlich nichts dabei rauskam, die Hälfte der Leute E-Mails beantwortet und nur wenige wirklich aktiv am Meeting teilgenommen haben. Dann wird ein neuer Termin festgelegt, um weiter zu machen. Man muss sich also überlegen, wie kann ich Meetings wirklich effizient machen?

Jonas
Der gemeinsame Nenner dieser drei Maßnahmen scheint dieser Partizipationseffekt zu sein. MitarbeiterInnen werden in alles miteinbezogen, um Dinge gemeinsam zu gestalten und zu überlegen, wie es funktioniert. Ich denke das ist ein sehr grundsätzlicher Aspekt, dass nicht mehr alles einfach nur vorgegeben wird.
Jetzt beschäftigst du dich ja, wie du schon erwähnt hast, auch mit dem Neubau mit einem neuen Arbeitsbereich. Was ist für Teams wichtig in Bezug auf das New Work Arbeitsumfeld? Könnte man das aus zwei Blickwinkeln betrachten: Das physische Umfeld, also in diesem Fall, das was gerade noch gebaut wird, aber auch das psychische Umfeld, also die weicheren Faktoren? Was sind diesbezüglich deine Haupterkenntnisse?

Jasmine
Man kann sich natürlich die Frage stellen, ob man heutzutage überhaupt noch ein Büro braucht.
Sämtliche digitale Kollaborationstools lassen uns auch ohne Büro gut zusammenarbeiten. Trotzdem denke ich, ist das Büro elementar. Man muss es als ein anderes Werkzeug begreifen, um Zusammenarbeit und Kreativität zu fördern und um Beziehungen zu den KollegInnen aufzubauen.
Vielleicht bekommst du zufällig mit, woran das andere Team gerade arbeitet. So können sich Synergien ergeben, denn vielleicht beschäftige ich mich gerade mit einem ähnlichen Thema.
Ein physischer Ort der Zusammenarbeit ist also extrem wichtig, auch heutzutage. Was hierbei nicht unterschätzt werden darf ist verschiedene Elemente anzubieten. Beispielsweise offene, flexible Räume, welche man verändern kann. Tische mit Rollen erlauben einem z.B. das Setting je nach Belieben zu ändern.
Gleichzeitig ist es wichtig Rückzugsräume zu bieten, denn nicht jeder ist der Typ, um ständig auf einer offenen, lauten Fläche zu arbeiten. Es gibt auch Arbeiten, für welche man sich zurückziehen muss, um sich ein paar Stunden am Stück konzentrieren zu können.
Meiner Erfahrung nach haben viele Angst, ihren eigenen Schreibtisch und ihr Büro herzugeben. Dahinter stecken jedoch die verschiedensten Bedürfnisse, die man auch anders in der neuen Arbeitsumgebung abbilden kann. Normalerweise ist der eigene Schreibtisch der Ort, an dem der Mensch morgens ankommt. Gibt es diesen nicht mehr, weiß er nicht mehr wo er zugehörig ist. Man muss also trotzdem Identitätsmerkmale schaffen in so einem offenen Raum.

Jonas
Ein sehr schöner Aspekt, dass die Identität für Teams und Individuen trotzdem geschaffen werden soll, gerade wenn alles mobil ist und man regelmäßig den Platz wechselt.
Gibt es denn ein Ritual oder Hack, was man einmal die Woche macht, alleine oder im Team, dass man in die richtige Richtung in der neuen Arbeitswelt geht?

Jasmine
Persönlich gefällt mir am besten, wenn ich frei entscheiden kann, je nach Aufgabe, von wo ich arbeite. Am Arbeitsplatz, zu Hause oder im Cafe? Ich überlege mir, was für diese Aufgabe der richtige Ort ist. Inspiration finde ich beispielsweise immer gut, wenn ich in einem Cafe arbeite. Die Gefahr hierbei ist, dass man die Möglichkeit hat, ständig zu arbeiten und man einen Weg finden muss, um Grenzen und Mechanismen zu setzen, damit man wirklich Feierabend macht.

Ich selbst habe noch etwas Nachholbedarf, um mich selbst mehr zu fokussieren. Ich kenne alle Tricks und Hacks, aber trotzdem fällt es mir schwer, mich 1 oder 2 Stunden am Stück wirklich zu konzentrieren, ohne mich vom Telefon, E-Mails oder Benachrichtigungen ablenken zu lassen. Ich habe mir einen Productivity Planner zugelegt, ich glaube der kann mir gut helfen.

Jonas
Vielen Dank für das schöne Gespräch Jasmine

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